Eine unbekanntere, aber für das Gesamtverständnis des Künstlers Degasperi wichtige Seite möchten wir ihnen hier mit einigen Beispielen kurz vorstellen: die des Dichters und Textautors. Diese vier Gedichte stehen als Beispiel für das auch in diesem Bereich reichhaltige Schaffen.
  • DAS TIER DER APOKALYPSE

    Das Zeichen des Bösen ist seine Perfektion Sie bemächtigt sich der Sinne berauscht den Menschen in blindem Gehorsam verleiht ihm Macht über Leben und Tod Das Zeichen des Bösen ist die Sturheit der Macht Sie kennt keinen Schritt zurück führt von Sieg zu Sieg dem Untergang zu marschiert über Leichen Das Mittel zur Machtentfaltung des Bösen ist des Menschen Glaube an das Gute daher dreht Luzifer die göttlichen Werte um pervertiert die Verbrechen zur Moral. So wird der Starre im Glauben durch das Licht des Bösen verblendet Er erkennt trotz seines Glaubens nicht die Zeichen der Zeit Überblendung der Erkenntnis Anbeter der Nacht triumphieren über den Geist Glühender Haß wird zu flammenden Bränden Taten zu Schandtaten für immer Der Wille zum Bösen raubt die Würde des Menschen Die Pogrome der Alten wurden Vorbilder des Neuen Das System gab dem Menschen die Macht und nahm ihm die Verantwortung zugleich Wo das Gewissen sich regte wurde der Endlöser zum Märtyrer des Programms Brutale Herrschaft des Entmenschten über Menschen zu deren totalen Vernichtung Spruch des Herrn Erkennet den Weg des Bösen Zuerst wurde das Holzkreuz eisern später bekam es Krücken zuletzt Haken Menschen aller Religionen und Nationen Wachet und betet ohne Unterlaß damit nicht das Böse erneut mit Macht euch alle verblende. Karsamstag, 6.4.1985
  • DAS GERICHTSGEWICHT

    Gegen lügnerische Ausreden "Wohlstandsmensch Dein Name ist aufgerufen Du bist abberufen zum Tag des Gerichts" Herr bedenke ich war immer ein einfacher Mensch habe niemanden umgebracht ich habe keinem Käfer je ein Leid zugefügt "So wollen wir nun gemeinsam dein Gewissen messen Wie sieht es mit deinen Flüchen aus" Die Amerikaner haben ganze Indianerstämme ausgerottet "Mehrmals hast du deine Ehe gebrochen" Im Vergleich zur Judenausrottung ist das gar nichts "Du warst ungehorsam und hartherzig zu deinen Eltern" Stalin hat Millionen Menschen nach Sibirien verbannt "Du hegtest Gedanken der Rache" Gedanken was ist das schon in winer Welt der Folter und des Terrors "Du ließest es zu daß dein Kind im Mutterleib getötet wurde" Das war erlaubt bei dem Hunger der Welt "Oft hast du deinen Geschäftspartner betrogen" Es ist doch kein Fehler der Klügere zu sein "Wie oft hast du gelogen" Niemals es war stets die andere Seite der Wahrheit Da sprach Gott mild "In die Kirche zum Gebet gingst du auch nicht" Ich ging lieber in den Wald um zu beten Jetzt erzürnte der Herr "Dort betestest du auch nicht" Da schwieg endlich der Selbstgerechte So wog Gott den Sünder dessen übel bei sich stets das geringste war Trotz seines Gewichts auf Erden das er voll in die Waagschale warf ward er an diesem Tag zu leicht befunden.
  • ORCHIDEE DES GLAUBENS

    Des Nachts in feuchter Hitze schweißverklebt kaltluftgestreichelt liege ich auf dem rechten Ohr Der Herr tropft mir Seine Erkenntnis ins Ohr der Linken Schmerzgeplagt drehe ich mich um Jetzt fließt eiskalte Erkenntnis durch das rechte Ohr in mein Sein Geschüttelt nehme ich wahr Abel der Leprose wird von seinem Bruder schonungslos ausgebeutet Die abelverstümmelnde Krankheit wird zur Quelle der Bereicherung skrupelloser Beter Und der Herr läßt dies zu Die Gebete der Kainiter aber erhört Er dennoch nicht Die reinen Opfer Abels aber nimmt der Herr der Leprosen an Neidquelle der Nichterhörten Kochende Eifersucht läßt den Abel ermorden Die blutgetränkte Erde schreit zum Himmel Doch die strafende Gnade bezeichnet den Brudermörder für das Überleben Auf dem Rücken des Blutes rüstet der Städtebauer auf Panzer Flugzeuge Raketen Bomben erschlägt so immer wieder den reinen Bruder Abel Geheimnis des Glaubens Gott läßt durch die Opfer die Mörder überleben So zerbrechen die Schwachen am Glauben an die Erlösung Die Starken aber werden kraft ihrer Schwachheit zu Erlösern des Kain Schüttelfrost zwischen Hitze und Kälte. 17.9.1985
  • ZEITRAFFER

    Der Alltag durchbricht die Kontinuität durchlöchert mit seinen Spitzen den Augenblick setzt Fakten der Gegenwart die gegenwärtig schon wieder Vergangenheit sind So schnell läuft die Zeit Keinen Bruchteil einer Sekunde steht sie an Niemand kann sie aufhalten Die Uhr steht still doch die Zeit tickt lautlos weiter Der Zeiger zeigt die Zeit im Kreise an doch die Zeit kehrt nie zum einmal durchschrittenen Punkt zurück Sie durchschreitet keinen Augenblick ein zweites Mal Zeitzeugen erlebten die Zeit aber sie zeugten sie nicht Ist Ewigkeit Zeit für immer Ist immer jederzeit Der Mensch vermag Zeit zu gewinnen Er kann Zeit verlieren Er kann Zeit stehlen Er kann sie sogar totschlagen und merkt dabei nicht daß er Selbstmord begeht Merkwürdig ist er schon der Zahn der Zeit. 3.4.1993